Internationaler Frauentag am 8. März

Dr. Simone Strohmayr, frauenpolitische Sprecherin der SPD- Landtagsfraktion zum Internationalen Frauentag: Benachteiligung ist in vielen Lebensbereichen spürbar – Dringlichkeitsantrag zeigt Massnahmen auf.
Die Landkreise Augsburg-Land und Aichach-Friedberg machen keine Ausnahme, was die unzureichende Gleichstellung von Frauen und Männern in Bayern betrifft. Die Benachteiligung ist in vielen Lebensbereichen spürbar, so auch im öffentlichen Dienst.

Ein Beispiel: Lehrkräfte an staatlichen Schulen werden im Vierjahresrhythmus dienstlich beurteilt. Diese Beurteilungen bilden unter anderem die Grundlage für Beförderungen.
Eine Anfrage der frauenpolitischen Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion Dr. Simone Strohmayr bei der Staatsregierung hat ergeben: Weibliche Lehrkräfte schnitten hierbei bisher deutlich schlechter ab. In den Landkreisen Augsburg-Land und Aichach-Friedberg erhielten 28,3 Prozent der männlichen Lehrkräfte die beiden Spitzenbeurteilungen HQ und BG (herausragende Qualität und besonders gut erfüllt). Von den weiblichen Lehrkräften erhielten diese beiden Spitzenbeurteilungen nur 14,8 Prozent, also fast die Hälfte.
Damit, so Strohmayr, sei es auch in diesen beiden Landkreisen zu einer erheblichen Benachteiligung von Frauen gekommen. Nachdem an Volksschulen seit 2006 die Schulleiter die Beurteilungen durchführen, appelliert Strohmayr sowohl an die Gleichstellungsbeauftragten als auch an die staatlichen Schulämter, künftig dezidiert darauf zu achten, dass weibliche Lehrkräfte an Volksschulen in der dienstlichen Beurteilung nicht abgehängt werden.

Mehr Chancengleichheit für Frauen

Anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März fordert Strohmayr zudem die Staatsregierung in einem Dringlichkeitsantrag auf, dafür zu sorgen, dass es mehr Chancengleichheit für Frauen gibt. Die SPD- Landtagsfraktion fordert unter anderem, den Anteil von Frauen in Führungspositionen zu erhöhen. Ferner müssten mehr Frauen an technische und naturwissenschaftliche Berufe und mehr Männer ans Lehramt beziehungsweise an soziale Berufe herangeführt werden. Für dringend notwendig hält Strohmayr auch Quotenregelungen im öffentlichen Dienst, Frauenförderung an den Hochschulen sowie einen Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz sowie einen Ganztagsschulplatz.

Obwohl Frauen inzwischen bessere Bildungsabschlüsse erzielen, 23 Prozent der Frauen haben Abitur, aber nur 18 Prozent der Männer, wirkt sich dies auf die berufliche Stellung beziehungsweise auf das Einkommen nur geringfügig aus.
Immer noch müssen zahlreiche Frauen mit einem Bruttomonatseinkommen unterhalb der Niedriglohnschwelle auskommen. Mit 25,6 Prozent liegt der Niedriglohnanteil bei Frauen im Angestelltenverhältnis viel höher als bei Männern (9,3 Prozent). Frauen sind darüber hinaus mit 6,6 Prozent häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen als ihre Kollegen (5,6 Prozent).

Schliesslich schaffen Frauen seltener den Sprung in die Führungsebene: In Nordbayern beträgt die Quote gerade einmal 24 Prozent, in Südbayern sogar nur 22 Prozent (deutschlandweit 25 Prozent). Auch an den bayerischen Hochschulen sind Frauen unterrepräsentiert. Der Anteil der Professorinnen bleibt mit 11,1 Prozent deutlich hinter dem der Professoren zurück.

Als Grund für die immer noch nicht erreichte Gleichstellung im Berufsleben nennt Strohmayr die weiterhin problematische Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Bayern. „Nach wie vor gibt es zu wenig Betreuungsangebote für Kinder unter drei Jahren. Im Jahr 2007 betrug der Anteil nur etwa 10 Prozent. Auch die Ganztagsschulen müssen dringend ausgebaut werden“, stellt die Mutter von zwei Kindern fest. Aber auch nach der Kindergartenzeit wird es nicht besser: Von mehr als 500 000 bayerischen Grundschülern gehen laut Strohmayr gerade einmal zwölf Prozent auf Ganztagsschulen. Demgegenüber steht die steigende Anzahl an lleinerziehenden, die unter den fehlenden Angeboten besonders zu leiden haben. „Besonders problematisch ist, dass die Gehaltsdifferenz zu männlichen Mitbewerbern insbesondere nach Kindererziehungszeiten erheblich zunimmt“, weiss die Landtagsabgeordnete.

Und schliesslich setzt sich die Benachteiligung von Frauen im Rentenalter fort: Die durchschnittliche Rente von Frauen beträgt 499 Euro, die der Männer dagegen 955 Euro. „Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf muss in Bayern endlich Realität werden“, fordert Strohmayr und dringt auf mehr Betreuungsangebote für Kinder unter drei Jahren, mehr Ganztagsschulen,
bessere Bedingungen für Betriebskindergärten und familienfreundlichere Arbeitszeiten vor allem im öffentlichen Dienst.

Als wichtigen Schritt zur Gleichstellung von Frauen in Bayern wünscht sich Strohmayr, dass mehr Frauen den Zugang zur Politik finden.
Bei der SPD klappt das schon recht gut. 18 von 39 SPD-Abgeordneten im Landtag sind weiblich.
Innerhalb der Staatsregierung sieht Strohmayr jedoch einen grossen Nachholbedarf. Von 18 Führungspositionen in der bayerischen Staatsregierung werden nur fünf von Frauen gehalten.

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